Portrait über Johann Wolf

Johann Wolf

Johann Wolf wurde am 29. Januar 1902 als einer von insgesamt drei Söhnen der Müller Hendrik und Auguste Wolf in Nordhorn geboren. Schon in jungen Jahren interessierte er sich weniger für das Müller-Gewerbe als für die Technik.

Er hatte in Nordhorn den ersten elektrischen Strom erzeugt, mit Hilfe der Wasserkraft in der väterlichen Mühle. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute er, zusammen mit fünf Mitarbeitern, ein dem "Volksempfänger" nachkonstruiertes Radio, das er "Wölfchen" nannte. Da ihm jedoch das Startkapital für eine Produktion in größerem Rahmen fehlte, produzierte er das "Wölfchen" nicht in Serie. So hatte er Zeit, dem Filmen nachzugehen.

Johann Wolf begann als Hobby-Filmer. Seine erste Kamera bekam er in den 20-er Jahren in die Hand, damals noch im väterlichen Mühlbetrieb tätig, der auch sein erstes Motiv war. Sein erster Film, "Geschichte einer Bauernschaft", in Hesepe gedreht, fand großen Anklang und ermutigte ihn, fortan aktuelles Zeitgeschehen filmisch festzuhalten. Damit war der "Heimatfilm" geboren. In Abständen von zwei Jahren stellte Johann Wolf seine Chroniken vor.

Anerkennung über die Grafschaft hinaus fand er mit seinen Natur- und Tierfilmen. Mit dem Tierfilm "Leben im Bruch" gelang ihm der Durchbruch. Der Streifen wurde mit dem Prädikat "wertvoll" ausgezeichnet. Professor Grzimek wurde auf ihn aufmerksam, erteilte ihm Spezialaufträge. Ein Meisterwerk schuf Wolf mit dem Film "Inselparadies", den er in der Nähe des holländischen Giethoorn drehte. Es wäre um ein Haar sein letzter gewesen: Bei den Dreharbeiten in völlig menschenleerer Gegend geriet er in einen Sumpf und wurde nur durch Zufall von einem Wildhüter gerettet.

Das war ein Unfall von vielen: Johann Wolf setzte sich voll und ganz ein auf seinen Pirschgängen mit der Kamera. Mit unendlicher Geduld spürte er den Tieren nach, viele Stunden verwandte er oft darauf, um besonders scheue Tiere aufs Zelluloid zu bannen. Sein filmisches Schaffen fand nicht nur die Anerkennung seiner Landsleute und der Experten, sondern auch des Staates. Kurz nach Vollendung seines 75. Lebensjahres wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Oberkreisdirektor Dr. Terwey, der ihm die vom Bundespräsidenten verliehene Auszeichnung überreichte, bescheinigte ihm damals, sich um die Grafschaft Bentheim verdient gemacht zu haben. Mit seinen "Kulturfilmen von hohem Niveau und Rang" habe er Heimatbewusstsein und Heimatliebe gefördert.

Johann Wolf hat mit seinen Filmen Bleibendes hinterlassen. Er starb am 29. Juli 1987.

(Text zu größten Teilen von Carl D. Westdörp, GN)

 
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